Nicole entzündete diese Kerze am 30. Mai 2026 um 1.49 Uhr
Ach, liebe Kerstin, ich kannte dich gar nicht persönlich, aber trotzdem macht mich dein Tod so traurig. Ich stelle mir vor, wie verzweifelt du gewesen sein magst, als du merktest, dass du es nicht mehr schaffen kannst, vom Berg zurückzukehren. Ich stelle mir die Stunden nach deinem vergeblichen Notruf vor, als du mit kalten Fingern die falsche Nummer getippt hast. Da hast du wahrscheinlich noch auf ein gutes Ende gehofft. Warum hast du es nicht nochmal versucht, Hilfe zu rufen? Warum nur? Und warum hast du nicht dem Hubschrauber gewinkt bzw. das Y-Zeichen gemacht?
Wie unendlich einsam du dich gefühlt haben musst, als du von dem Menschen zurückgelassen wurdest, dem du vertraut hast, völlig entkräftet ohne Schutz im eisigen Wind, im Bewusstsein, dass die vielleicht rettende Rettungsdecke und den Biwaksack im Rucksack ist, aber im Seil hängend und nicht in der Lage, dass du sie selbst rausholen konntest. Das macht mich unfassbar traurig. Was müssen das für quälende Stunden gewesen sein?
So oft habe ich gedacht: Hättest du ihn doch am Frühstücksplatz weitergehen lassen in seinem Ehrgeiz und wärst allein abgestiegen zur Stüdlhütte. Und hättest den Aufstieg eben ein anderes Mal gemacht, bei besserem Wetter und mit früherem Start, ohne Ibuprofen. Auf Bildern sehe ich eine sportliche, schöne junge Frau, die ihr Leben noch vor sich hatte. Du musstest doch niemand etwas beweisen.
Ich denke an oft an dich und hoffe, dass deine Seele Frieden gefunden hat.